Derendingen in einem Zug
Derendingen ist heute der südlichste Stadtteil Tübingens, doch seine Geschichte ist älter als die Stadtgestalt vermuten lässt. Alamannische Funde aus dem 7. Jahrhundert und die frühen Kirchenspuren um St. Gallus zeigen, dass hier lange vor der ersten Urkunde Menschen lebten, beteten, arbeiteten und ihre Toten bestatteten. 1089 erscheint der Ort in der Zwiefalter Überlieferung als Darodingen, Taredingin oder Tarodingin. Später teilten sich Kloster Zwiefalten, die Pfalzgrafen von Tübingen und Württemberg den Einfluss.
Das Dorf wuchs als Straßendorf entlang der heutigen Sieben-Höfe-Straße. Die St.-Gallus-Kirche wurde zum geistlichen Gedächtnisort: zuerst als frühe Kirche, später als spätgotischer Bau, nach Brand und Wiederaufbau, und im 16. Jahrhundert als Wirkungsstätte von Primus Truber. Der slowenische Reformator starb 1586 in Derendingen; Johann Ludwig Krapf wurde 1810 hier geboren und trug den Namen des Ortes als Missionar, Sprachforscher und Afrikareisender weit hinaus.
Mit Bahnanschluss, Eingemeindung nach Tübingen, Schul- und Wohngebieten wandelte sich Derendingen vom eigenständigen Dorf zum urbanen Stadtteil. Geblieben sind Spuren: Kirche, Rathaus, Bläsibad, Bahnhof, Denkmäler, Familiennamen und Erinnerungen. Die Krapf-Stammbaumdatei zeigt, wie sich über Jahrhunderte Namen wie Krapf, Mozer, Buck, Röhm, Härter, Laupp und viele andere verdichten, verschwinden, wiederkehren und in Auswanderungslinien nach Amerika und Osteuropa ausgreifen.









